Weissefahne schwenken.


Couchsalat
22. Oktober 2008, 00:06
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Man nehme einen uralten LKW mit gekauftem TÜV, eine finanziell verzweifelte Lage, den Wunsch nach einer Couch und einen gemischten Kasten V+ Veltins . Man mische nun das ganze kräftig durcheinander, gebe eine Prise Pech, einen großzügigen Löffel Chaos und eine Essenz Menschlichkeit mit hinein. Fertig ist der Couchsalat.

Ich bin mit meiner Wohnung etwas voran gekommen. Meine liebe Lydia hat mich mal in den Arsch getreten und wir haben gemeinsam klar Schiff gemacht. Gut, mittlerweile sieht es schon wieder fast wie vorher aus, aber der Wille zählt.
Ich habe mir außerdem eine geniale Doppel-Induktions-Kochplatte gekauft. Jeder geeignete (also magnetisierbare) Topf wird in unter 10 Sekunden heiß, das ist echt der Kracher. Daher ist dies meine Empfehlung des Monats:

Ein Induktionskochfeld!

Ein weiteres interessantes Erlebnis war die Fahrt mit dem Lastkraftwagen (3,5t) meines Vaters nach Schwerte. Das ist von meinem Wohnort aus nicht weit, nur so etwa 20km. Ich musste dahin um eine Couch abzuholen, die ich gegen einen Kasten Bier online getauscht hatte. Sie ist gebraucht und es sind zwei drei Flecken drauf, aber das überlebe ich allemal. Reinigen und gut. Oder ein paar Tücher drüber hängen. Und dann habe ich ein Sofa! Zum Sitzen. Unglaublich.

Nunja, auf jeden Fall fuhren wir ins schöne Schwerte. Unterwegs fiel dann der Auspuff ab. Einfach so, ohne jede Vorwarnung oder Anzeichen. Prima. Das Drecksding. Meine Wenigkeit wirft sich also unter den LKW und drahtet und klebt und tackert den Auspuff wieder fest. Gut, dass man in so ‘nem Baugeschäft LKW immer etwas Blumendraht und Spanngurte hat. Wackelt, hält, schleift. So vernachlässigt kann man ihn bis heute dort finden. Aber das ist allemal besser als ohne Auspuff zu fahren.
Weiter geht es, in Richtung der netten Dame, die ein Sofa gegen einen Kasten Veltins tauschen will. Im Laufe der Fahrt fällt mir dann leider auf, dass ich noch gar keinen Kasten gekauft habe. Bargeld habe ich auch keines dabei, aber meine EC-Karte. Es sollte ja kein Problem sein, damit in dieser modernen Welt zu bezahlen.

Man beachte den Konjunktiv.

Einbahnstraße

In Schwerte sucht man lange nach einem größeren Getränkemarkt. Aber das ist, so denke ich, nicht schlimm. Schließlich gibt es ja an jeder Ecke einen kleinen Kiosk oder ähnliches. Wir rollen also mit dem Freizeiterlebnislastkraftwagen weiter durch die Gegend als ich plötzlich links der Fahrbahn eine solche Einkaufsstätte entdecke und sofort beschließe rechts in die nächstbeste Straße zu fahren und dort zu parken, um einen Kasten des Wunschbieres zu erwerben. Ich eile zum Kiosk und wundere mich ein wenig, dass alle anderen Autos in die entgegengesetzte Richtung geparkt sind, aber einen intensiveren Gedanken verschwende ich da nicht dran. Im Geschäft angekommen sehe ich sofort das Objekt meiner Begierde: Veltins Vau Plus in allen erdenklicken Sorten. Blau. Grün. Rot. Gelb. Kunterbunt stehen die Flaschen dort und ich beginne sie in einen leeren Kasten zu räumen. Bis dieser zu je der Hälfte mit V+ Lemon und V+ Cola gefüllt ist. Ich nehme den Kasten und trage ihn zur Kasse. Als ich das seltsame Funkeln in den Augen des immigrierten Verkäufers sehe frage ich mich, ob ich hier wirklich das richtige tue. “Wollen kaufen ganze Kasten?”, fragt er mich. Ich starre auf das Produkt in meinen Händen, dann auf ihn und bejahe  es vorsichtig. Daraufhin rennt er wie von der Tarantel gestochen aus dem Geschäft und in die Dönerbude gegenüber. Ich höre nur noch irgendwas wie: “..müssen Chef fra…” dann ist er verschwunden.

Nun doch etwas beunruhigt warte ich ab, schreibe in Gedanken mein Testament und – um auch alle Klischees zu bedienen – rechne jeden Moment damit, dass ein Attentäter mit Sprenggürtel reinstürmt, mir die Kiste “Allah ist groß” schreiend aus der Hand reißt. Terror beginnt im Kleinen. Der Verkäufer reißt mich (nein, nicht in Stücke, sondern) aus meinen Tagträumen und sagt etwas, das wohl so viel bedeuten soll wie der Flaschenpreis. Er will pro Flasche etwa 1,20€ haben. Und 5€ Pfand für den Kasten. Das würde dann ungefähr 32€ machen. Ich schlucke – er lässt aber mit sich reden, aufgrund der Menge senken sie in ihrer unermesslichen Gnade den Preis auf einen Euro pro Flasche. Das wären dann nur noch 29€. Ein echtes Schnäppchen. Aber gut, ich denke mir eine neue Couch hätte um die 600€ gekostet. Da kann man das bezahlen. Ich ziehe also meine Kontokarte heraus und reiche sie dem Verkäufer mit charmantem Lächeln. Der nimmt sie entgegen, begutachtet sie ausführlich. Dann gibt er sie mir zurück. Eine geschlagene Minute lang sehe ich ihn nur entgeistert an, dann sagt er: “Machen 29€, können geben 30€, dann wir haben eine Euro Trinkgeld!”.

Nachdem ich kurz davor war, den Verkäufer mit meiner EC-Karte zu massakrieren, laufe ich nun auch noch zu Fuß entgegen der Fahrtrichtung in die Einbahnstraße und klopfe an die Beifahrerscheibe des LKW, um meine Freundin zu fragen, ob sie Bargeld dabei habe. Wir zählen unser gemeinsames Kleingeld und kommen auf achteurovierundfünfzig. Ich steige ein, werfe dabei etwa viereurovierunddreißig auf den Boden, knurre und werfe das Höllengerät an. Auf irgendeinem Behindertenparkplatz wende ich dann fünf Minuten lang, um diesmal in die richtige Richtung zu fahren. Für mich ist heute aber eh jeder Weg der falsche.

Wir fahren weitere zehn Minuten sinnlos durch Schwerte bis ich mit einem Mal freudestrahlend ein “REWE” Schild entdecke. Insbesondere der Untertitel “Getränkemarkt” macht dieses Geschäft grade zum greatest place on earth.

Mit einem Mischbierkasten auf der Ladefläche fahren wir nun unserem Ziel entgegen. Einem netten Mehrfamilienhaus in einer ruhigen Seitestraße. Die Leute sind (trotz Ehekrise) überaus freundlich und packen mit an, das Möbelstück auf den Laster zu hieven. Als es geschafft ist habe ich überall Krämpfe. Jeder Finger tut für sich weh und ich bin nass geschwitzt wie ein Marathonläufer. Erleichtert setze ich mich ins Auto und wir fahren nach Hause.

Dort angekommen wartete die Treppe zu meiner Dachwohnung. Wenn Gegenstände grinsen könnten, dann würde ich wetten, dass die Treppe mich wahnsinnig ausgelacht hat.

Und die Couch stimmte mit ein.




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