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Eine kleine Exkursion in den alltäglichen Sprachgebrauch
Heute: “Es gibt keine dummen Fragen… nur dumme Antworten”.
Zunächst einmal sei anzumerken: Nein – ich habe nichts gegen Fragen. Auch nichts gegen Sprichwörter. Wie könnte ich auch als Mensch, der sie selbst (zu oft?) benutzt. Dennoch, es gibt sie, die “dummen Fragen”. Dumme Fragen tarnen sich aber meistens. Zum Beispiel als rhetorische.
Das schöne an der pseudo-rhetorischen Frage in freier Wildbahn ist das Faktum, dass sie sehr leicht – durch Konfrontation mir ihrer selbst – als dumme Frage zu enttarnen ist. Ein Beispiel: Sonntag morgen. Ich wache neben meiner Freundin auf. Wir begeben uns zum Frühstück und irgendwo stoße ich mir irgendwie den kleinen Zeh. Jeder kennt diesen Schmerz von Sesselkanten, Dielenecken, Türrahmen und so weiter. Ich brülle also das ganze Haus zusammen, um meinem Unmut Luft zu machen. Die großartigste Frau der Welt kommt daraufhin angeflitzt und stellt die alles entscheidende Frage: “Tut’s weh?” Nein! Natürlich nicht! Ob diese Frage eine rhetorische sei, frage ich. Und genau in diesem Moment meiner Frage hat sich die dumme Frage in der Reaktion meiner Freundin enttarnt, denn sie mache sich doch nur Sorgen. Vermutlich hat sie Recht, und dieser Typus der dummen Frage entsteht nur aus gutem Willen heraus. Also hier nicht zu hart urteilen.
Ganz anders Typ II. Dieser tarnt sich als Situationsfrage, ist aber in Wirklichkeit ein hinterhältiger Intellektfresser. Auch hier ein Fallbeispiel: Ich nehme grade während des Zivildienstes meine mir zustehende Mittagsmahlzeit ein, als sich auf der anderen Seite des Tisches eine Arbeitskollegin setzen will. Dabei stößt sie gegen ein Bein der hölzernen Platte, ein Glas fällt herab und es zerbirst auf dem Boden mit einem lauten Klirren. Die Kollegin bemerkt dies und fragt mich: “Oh, ist es kaputt?” Entgeistert starre ich sie eine Sekunde lang an, um dann recht trocken zu erwidern: ” Quatsch, das Glas wollte nur seinen Horizont erweitern. Wollte wissen, ob es an mehreren Orten gleichzeitig sein kann. Tadaa! Es kann. Tolles Glas.” Ich nicke stolz gen Richtung der Scherben auf dem Boden und zertrümmere gedanklich die Tassen, die meiner Kollegin in ihrem Schrank noch geblieben sind.
Aber auch dieser Typ der dummen Fragen ist noch zu entschuldigen, da er wenigstens auf einem Schockmoment beruht. Die Krönung der intellektuell restentwerteten Fragen war für mich bisher die
jenige, die es nicht einmal für nötig befand sich zu tarnen. Sondern sie war ganz offen und direkt, total verblödet. Das Szenario war ein denkbar einfaches; ich ging zu der Zeit noch der Tätigkeit als Partyfotograf in einem Iserlohner Club nach. Ich bin grade bei Foto Nummer zweihundertdreiundfünfzig angelangt, als ein aufgebrezeltes, aber erstaunlich nüchternes (vermutlich, weil zu jung) Discogirly auf mich zu kommt und “Eeeeeey, ist das da ‘ne Kameraaa?”, schreit. Dabei deutet sie auf das Auslösergeräusch verursachende Gerät. Noch total paralysiert fällt mir dazu spontan nichts ein und ich gebe ihr damit die Gelegenheit nachzusetzen: “Kann man damit Fotos macheeeeen?!?”, quält sie mich weiter.
Für mich war das Limit an diesem Abend damit eigentlich schon erreicht. Aber als dann noch die zwei Kollegen vom Film mit ihrer riesigen zweieinhalb Tausend Euro Kamera neben mich traten und das Gör die beiden mit “Eeend cool, macht mal ‘n Fotoooo!” anschrie; da verlor ich – wieder mal – ein Stück meines Glaubens an die Menschheit.
Fazit: Es gibt dumme Fragen. Absolut. Sprichwort entlarvt.


