Weissefahne schwenken.


Versuchter Amoklauf in St. Augustin bei Bonn
12. Mai 2009, 14:27
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Endlich mal ein paar Informationen aus erster Hand (danke, Pressefreigabe!).

Nachdem N24, der WDR (sowohl TV als auch im Radio) und viele andere ausführlich die »Fakten« analysiert haben standen ein paar Tatsachen fest, die offenbar weit hergeholt waren. Zunächst einmal wurde mir von einigen Kommilitonen mitgeteilt es habe Tote gegeben, außerdem teilte Einslive mit, einer Person wurde ein Finger abgetrennt. Gott sei Dank hatte ich zu diesem Zeitpunkt bereits einen Freund bei der Bundespolizei angerufen, um mir kein Halbwissen anzueignen. Der gute Mann lebt im erwähnten Ort,  gegenüber der betroffenen Schule. Das erste was er mir sagte, als ich ihn anrief war: »Ich habe schon viel früher mit deinem Anruf gerechnet, es ist doch gestern morgen gegen 9 Uhr schon passiert«, und das zweite:  »Ich muss dir erstmal eins sagen: Ich stand schon lange nicht mehr mit kugelsicherer Weste und Maschinenpistole im Regen.«

Um euch also aufzuklären: Die Polizei hat gestern morgen gegen 9 Uhr die Schule umstellt. Natürlich viel zu spät, um eine erste verletzte Person zu vermeiden, aber immerhin schnell genug, damit die Amokläuferin ihr vorhaben nicht in die Tat umsetzen konnte. Die zunächst verletzte Person (allgemeine Medien: diejenige, deren Finger »abgetrennt« gewesen sei) hatte die Täterin (16) auf der Schultoilette über einem Rucksack erwischt, in welchem sie 10 Molotowcocktails (selbstgebaute Brandbomben) vorbereitete. Daraufhin wollte das mutige Mädchen die Täterin aufhalten und wurde von dieser mit einem Messer angegriffen und an der Hand verletzt. Der Betroffenen geht es aber – den Umständen entsprechend – gut. Es wurde nichts abgetrennt und eine prompte Behandlung erfolgte.

Aus dieser Situation heraus ergriff die Amokläuferin die Flucht, sie wurde jedoch schnell von der Polizei aufgegriffen und ist nun in Gewahrsam. In ihrem Rucksack wurde außer den Brandbomben ein eindeutiger Abschiedsbrief gefunden, in welchem wohl Inhalte zu finden sind – so mein Freund bei der Polizei – nach welchen sie sich »mit einem Knall« verabschieden wollte.

Soweit zum status quo.

Weiter denken darf man natürlich immer. Mein erster Gedanke, den ich während des Telefonats auch ansprach, war der nach der Bestrafung. Ziemlich nüchtern erwiderte mein Gesprächspartner: »Ja, nun – sie ist 16. Sie wird nach Jugendstrafrecht verurteilt werden. Wer weiß, vielleicht ist sie krank. Auf jeden Fall wird sie wohl erst einmal in eine psychiatrische Klinik kommen. Und dann eine Bewährungsstrafe erhalten.« Es ist ja niemand gestorben.

So viel erstmal zum Thema, eventuell gibt es später mehr von mir dazu.


8 Kommentare bis jetzt
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tja so ist sie eben unsere BILD gesellschaft. ein hauffen von dreckigen säcken denen auch nicht das geringste daran liegt ihren erbärmlcihen iq auch nur ein bisschen zu erhöhen. wenn ich mir schon allein die titelseite dieses arschblatts anschau bekomm ich schon das kotzen. ich meine ganz ehrlich: wer denkt dran wie so was kommen kann? gute frage nur wenn man von der ganzen klasse gemobbt wird nur damit die vollideoten sich mangels geistiger klasse über einen profilieren können und niemand tut was ist das nur ein mögliches szenario. ich denke dass das pack dass sich “LEHRER” nennt und angeblich eine “pädagogische” bildung hat, endlich mal aufwachen soll. es kann nicht sein dass einfach zugeschaut wird wie jemand ständig drangsaliert wird nur weil er/sie anders ist. meiner meinug nach müssten wir als erstes anfangen unsere gesellschaft zu “behandeln”. mfg nico (p.s. wer nen hund schlägt und sich wundert dass er beisst hats nicht verstanden)

Kommentar von nico

Hallo Nico,
ich stimme Dir da im allgemeinen erst einmal zu. Das Problem entsteht definitiv in unserer Gesellschaft. Die Frage ist leider nur: Wo genau? Ich glaube die Schulen mit ihren Pädagogen – was auch immer man von ihnen halten mag – zur ersten und primären Ursache zu deklarieren ist zu einseitig. Definitiv muss dort mehr geleistet werden, doch das eigentliche Problem steckt in den Köpfen aller. Jugendliche stehen heute unter einem psychologischen und wirtschaftlichen Druck, wie lange nicht. Jeder muss möglichst effektives “Humankapital” sein, muss lernen, arbeiten und immer schneller zum Erfolg kommen.
Kindheit und/oder Leben bleibt da bei manchen so sehr auf der Strecke, dass sich für diese keine “glückseelige” Perspektive auf tut.

So viel erst einmal dazu, ich warte noch auf die Nachrichten: “My little Pony auf Rechner des Amokmädchens gefunden. Macht die Farbe rosa aggressiv?”

MfG

Kommentar von weissefahne

der Peter ^^ Wie gehts im sonst so? :D

Danke für die Informationen :)

Kommentar von Patrick W.

Ganz gut, war halt nur tierisch unangenehm, sagte er.

Kommentar von weissefahne

Von mir gibt es wie immer einen geschmacklosen Beitrag zu solch einem Thema. Behaupten zumindest einige… :-P

http://www.paramantus.net/?p=706

Schönen Gruß.

Kommentar von Paramantus

Über Geschmack lässt sich ja bekanntermaßen nicht streiten. Und über Satire schon mal gar nicht. “Schöner” Kommentar ;)

Kommentar von weissefahne

was mich eigentlich sauer an der Sache macht, das als Reaktion Paintball und so verboten werden soll.
Also, wie man ja an dem Beispiel sieht, sind es nicht die Waffen, die einen Amok laufen lassen.
Wobei ich die theory, das einen die Farbe rosa amok laufen lässt, schon eher vertreten würde. *g*

Ich versuche ständig meiner Umwelt klar zu machen, dass es viele potentielle Amokläufer gibt. Ich hätte wahrscheinlich das Gleiche versucht, wie das Mädchen, nur war ich damals, als ich solche Gedanken hatte wesentlich Jünger, also keine Chance an Waffen, außer Küchenmesser, ranzukommen und es gab das Internett nicht so wie heute.
Wenn ich von angeblichen Experten höre, das Mädchen nicht Amok laufen würden, werde ich echt wütend, weil das nicht stimmt!!!!
Irgendwann ist ein Punkt erreicht, an dem man sich fragt, ob die Mobber nicht Recht haben und man unwertes Leben ist und dann wird man wütend. Selbst wenn man sich Hilfe bei Lehrern holt, müssen letztendlich die gemobbten Schüler die Schule verlassen, weil es nichts bringt, und nicht die Täter.
Man befindet sich in einer scheinbar ausweglosen situation und lebt in der Hölle. Das Leben ist unerträglich und nach einer zeit verschwimmt der Blick für die eigentlichen Übeltäter und alle werden als Schuldig angesehen, weil niemand hilft, das Leid zu beenden.
Warum sollte man, wenn man sich eh umbringen will, weil das Leben unerträglich ist, nicht die verursacher für das Leid oder zumindest nen Teil versuchen mitzunehmen?
Wenn die Menschen einfach mal zuhören und hinschauen würden, anstatt, wenn sie sehen,wie jemand fertig gemacht wird, wegzugehen oder es zu ignorieren, wäre das Problem gelöst.

Kommentar von Kiranja

Hallo Kiranja,
zunächst einmal auch Dir ein Danke für Deinen ehrlichen und emotionalen Kommentar. Ich finde es immer sehr interessant mit Menschen zu sprechen die von der konkreten Situation (wie mein Freund bei der Polizei), oder der Situation im abstrakten (so wie Du, als anderes Ursachen Beispiel) betroffen sind. Für uns andere ist das immer sehr fern, sehr speziell und wir schieben es weit fort von uns.

Ich möchte in dieser Antwort auf Deinen Kommentar insbesondere auf Dein folgendes Zitat eingehen: »Wenn die Menschen einfach mal zuhören und hinschauen würden [...]«

Genau da liegt, wie Du richtig erkennst, der Hund begraben. Mangelnde Kommunikation. Ein Thema, dass ich immer und immer wieder gerne bespreche. Wir Menschen nähern uns technisch gesehen immer näher aneinander an. Wir finden Mittel und Wege zu Ferngesprächen, halten Videokonferenzen, chatten miteinander, nutzen Social Networks, bloggen, twittern, zwitschern. Wir tun das alles jedoch, ohne wirklich zu kommunizieren. Gespräch und Konversation im allgemeinen passt sich unserer Gesellschaft an. Schnell und fahrlässig. Scheuklappen hoch und ab durch die Mitte. Mein Nächster interessiert nicht, sondern ich.

Wir haben WEB 2.0 Profile, ums uns zu profilieren. Wir haben Chats, um instant – sofort! – Nachrichten zu verschicken, ohne dass diese wirklich ankommen. Wir haben Social Networks und wissen nicht mehr, was soziale Kompetenz ist. Usw. usf. Uns fehlt die Aufmerksamkeit, die Reaktion. Uns fehlt vor allem ganz ganz viel Empathie für unsere Mitmenschen. Wenn wir nichtmals mehr in der Lage sind, die von uns geliebten respektvoll und aufmerksam zu behandeln, wie sollen wir dann eine allgemeine Fürsorge beherrschen?

»Wenn die Menschen einfach mal zuhören und hinschauen würden«, wenn die Menschen einfach interpretieren, mitfühlen, nachdenken, helfen, eingreifen, HANDELN [...] würden. Wenn die Menschen sich wieder auf ein paar Werte besinnen würden, auf die Maxime ihrer Handlungen achten würden [...], aktiver am Leben teilnehmen würden, DANN, ja, dann wäre evt. auch eine langsame Umkehr möglich. Oder zumindest ein kleiner Schritt in Richtung menschliches Miteinander getan.

So, dieser Kommentar ist jetzt schon entschieden länger als der eigentliche Artikel. Ich hoffe Du wirst es lesen, und evt. eine Antwort schreiben. Bis dahin:

Alles Gute,
Marv

Kommentar von weissefahne




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